Melancholie

Ich bin gestern durch den Wald gegangen, 3 Stunden war ich unterwegs und ich bin sehr traurig über das, was ich sah.

Kenne ich diesen Wald noch vor 20, 15, 10 Jahren – so sehe ich heute ein großes Sterben vor mir. Er war so majestetisch, so stolz, teilweise dunkel und dann wieder von einer schillernden Leuchtkraft. Überall gab es etwas zu entdecken, sei es hier ein vermooster Baumstumpf, dort ein efeuumrankter alter Zaun, das Licht und Schattenspiel der Blätter.

Und was sehe ich heute? Licht und Schattenspiele? Sie sind kaum mehr möglich, denn es gibt nicht genug Bäume. Dunkel und geheimnisvoll kann er nicht mehr sein und stolze Bäume haben wir nicht mehr, überall hängen brechende Äste, stehen morsche Stämme. Blätter können kaum noch wachsen, denn die Äste sind vermoost. Viele kahle Flächen, abgeholzt. Überall umgestürzte Bäume. Es macht mich müde und hilflos darüber nachzudenken, wohin wir schreiten. Wie wir behandeln was unsere Grundlage ist, unser Lebenselexier.

Was tun wir Menschen eigentlich? Sind wir denn völlig von allen guten Geistern verlassen?

Arroganz wächst am besten auf dem Misthaufen der Ignoranz.
Walter Ludin

Meine Nichte ein selbsternanntes Medium, kann mit Verstorbenen sprechen und Auren erkennen und Menschen geistig heilen, aus der Ferne … ich urteile nicht darüber, was echt und recht und was sein kann oder nicht. Wenn sie meint, dass es so ist und sogar ihre berufliche Existenz darauf fusst – leben und leben lassen. Das nur am Rande. Aber immer wieder gerate ich mit ihr in Diskussionen – ich finde, sie macht es sich zu leicht. Sie findet, warum soll sie es sich schwer machen. In einem der letzten Dispute sagte sie mir, ich wäre im Kampfmodus und es wäre deutlich einfacher für mich, würde ich mir liebevolle Gedanken machen.

Tatsächlich befinde ich mich darin, das erkenne ich auch an. Nur was bringt es mir, wenn ich mir einrede alles sei gut, wenn es das gefühlt nicht so ist?

Wenn ich nur unseren Umgang mit der Natur betrachte, unseren Umgang mit Tieren, unseren maßlosen Konsum, den Egoismus dahinter – dass uns genau das zusteht. Die Gedankenlosigkeit vieler Menschen, ihre Kopf in den Sand Haltung. Wir schauen weg, obwohl wir vor dem Abgrund stehen. Wenn ich sehe, wie wenig wir tun, obwohl wir soviel mehr tun könnten und müssten. Ich frage mich dann tatsächlich, wie soll ich liebevolle Gedanken in mein Leben lassen? Und was bringt es? Ich bin traurig und machtlos, ob der Masse derer die diese Einsicht nicht teilen, die es nicht sehen – die das Sterben der Welt nicht interessiert. Die das Leid der Tiere, der Natur, der Menschen nicht fühlen können.

Ich bin auch wütend, na klar! Manchmal weiß ich gar nicht so genau, auf was und wen eigentlich. Wut entsteht aus Machtlosigkeit heraus und das bin ich in vielen Bereichen des Lebens. Womöglich kann man sich einreden, man hätte alles in der Hand. Tatsächlich glaube ich aber, wir sind die Spielbälle einiger Weniger. Fest im Glauben daran, wir bestimmen den Weg. Aber eigentlich sind wir im Hamsterrad. Wir müssen uns fügen und anpassen, um nicht aus der Rolle zu fallen.

Die besten Beispiele zeigt das Coronajahr. Wir passen uns an, an skurile Verhaltenskodexe nur um nicht aufzufallen. Wir scheuen die Konfrontation, wir haben Angst vor Andersdenkenden, wir fahren nur eine einzige Schiene … die der Angst. Täglich werden wir traktiert mit Meldungen über statistische Fallzahlen, Inzidenzen und Coronatoten. Über PCR Tests, POC Tests über Impfungen von Biontech, Astrazeneca und Moderna. Sollen aus mRNA und Vektorimpfstoffen herausfinden welcher der bessere für uns ist. Sollen uns impfen lassen, damit alles wieder ins Normale kommt und wehe dem der sich wehrt. Glücklich ist der, der nicht in der Pflege arbeitet und in der Impfhierarchie weiter hinten aufgelistet ist. Der erstmal abwarten kann und darf.

  • Brandenburg erlaubt das Betreten von öffentlichen Orten wie Parks oder Spielplätze ohne „triftigen Grund“ – und zwar ausdrücklich.
  • Bayern: Im Fitnessstudio dürfen die Masken während des Trainings abgelegt werden, aber beim Wechseln zwischen den Geräten gilt eine Maskenpflicht
  • Berlin gestattet zwar körpernahe Dienstleistungen im Prostitutionsgewerbe, untersagt aber gesichtsnahe Praktiken. Zusätzlich dürfen keine sexuellen Leistungen in Fahrzeugen oder auf Partys erbracht werden.
  • In Baden-Württemberg hingegen sind die gesichtsnahen Praktiken zwar möglich. Doch darf nur eine Eins-zu-eins-Prostitution wieder stattfinden. Das bedeutet, nur eine Prostituierte und ein Freier dürfen in einem Raum Sex haben. Gruppensex ist aber nicht zulässig.
  • Nordrhein-Westfalen erlaubt Sport im Freien, bei dem es zu Körperkontakt kommt. Doch das allerdings nur bis zehn Personen. Das bedeutet, dass es kein reguläres Fußballspiel geben kann.
  • Hamburg: Für Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler von Oberstufen und Berufsschulen gilt nach den Herbstferien eine generelle Maskenpflicht auch im Unterricht. Zudem muss in allen Schulklassen alle 20 Minuten stoßgelüftet werden.
  • Bremen: Private Feiern werden auf maximal zehn Personen beschränkt, wenn dort Alkohol getrunken wird. Ohne Alkohol liegt die Grenze bei 25 Teilnehmern.
  • In Schleswig-Holstein wiederum spielt es keine Rolle, ob Alkohol getrunken wird. Im nördlichsten Bundesland dürfen die Einwohner grundsätzlich zu privaten Zwecken zusammenkommen – allerdings dürfen sich nicht mehr als zehn Personen treffen. Eine Ausnahme gibt es, wenn alle, die sich treffen, in insgesamt nur zwei Haushalten leben; dann gibt es keine Begrenzung.

Wie komme ich nun eigentlich wieder auf Corona?

Die Natur erschafft Erkrankungen zur evolutionären Weiterentwicklung, darin beinhaltetet auch das Aussterben einer oder mehrerer Spezies. Nun möchte ich nicht sagen, dass es Corona gibt um uns auszulöschen. Aber würde man der Natur den Lauf lassen, würde überleben wer dafür geschaffen ist, erkranken der schwach ist und eben auch daran sterben. Wir Menschen maßen uns jedoch an Gott zu spielen, können ganz schlecht umgehen mit unserer Endlichkeit und mit der Ohnmacht die wir erleben – haben wir etwas nicht im Griff.

Und im Griff haben wir nichts mehr – unser Ansatz die Pandemie mit einem sich stetig weiterentwickelnden Virus durch Impfen in den Griff zu bekommen – Flickschusterei. Unsere Bemühungen Hunger und Armut in der Welt zu Lindern – Augenwischerei. Die Art wie wir versuchen die Umweltschädigung in den Griff zu bekommen – Hohn. Unsere Label zum Tierwohl – ein Witz. Die Liste ist endlos lang.

Wir leben im Jetzt und Hier, aber wir vernichten das Leben in der Zukunft, wir verachten die Erkenntnis von Damals mit der Arroganz es Heute besser zu wissen.

Mit jedem Jahr das ich älter werde, sehe ich die tiefe Kluft mehr, die wir zwischen der Natur und uns geschaffen haben. Jedes Jahr zeigt mir deutlicher, dass wir uns selbst vernichten, dass wir kaputt machen was so wunderschön war. Das wir den nachfolgenden Generationen etwas hinterlassen – was zu reparieren unmöglich scheint. Und statt dafür zu sorgen, dass wir hier auf der Erde anfangen genügsamer mit den Ressourcen zu sein – suchen wir nach Auswegen weit weg – im All. Wie verrückt. Was mit diesem Geld alles möglich wäre, hier auf Erden.

Und nun zurück zum Wald, er ist der Spiegel unserer selbst. Er zeigt unsere Gesellschaft, zeigt einige die strotzen vor Kraft, viele die nicht gesund sind, einige die straucheln, manche die am Boden liegen. Noch leben wir und wir leben noch gut, auf Kosten anderer. Noch stehen wir, aber nicht mehr aus eigener Kraft – sondern gestützt – durch viele Stricke die gezurrt sind, angelehnt an Wände voller Gedankenlosigkeit. Überall gibt es Lücken und Löcher, der Versuch sie zu stopfen – reißt anderorts neue auf. Auf dem Boden liegt soviel Unrat. Unser Wassermangel ist der Mangel an Empathie. Unser Borkenkäfer ist die Gier nach mehr. Unser Stamm ist marode, weil uns die Natürlichkeit abhanden gekommen ist. Unsere Wurzel haben wenig Halt, weil Familienstrukturen nicht mehr funktionieren und die Demokratie schwach geworden ist. Bei Stürmen im Leben zeigt sich, dass wir immer weniger festen Boden unter den Füßen haben. Unsere Oberfläche ist dünn geworden und anfällig gegen Krankheiten. Hatten wir früher noch eigene Möglichkeiten uns gegen Eindringlinge zu wehren, brauchen wir nun immer mehr die Pharmaindustrie. Wir können uns unserer Selbstheilung nicht mehr entsinnen. Der erhoffte Regen schwemmt unsere letzten Haltepunkte fort, damit geraten wir noch mehr in Schieflage. Sonne verbrennt uns, da wir keinen Schutz mehr haben in der Menge. Den Widrigkeiten des Lebens sind wir mehr den je ausgeliefert. Ein Gedanke lässt mich hoffen, dass die Natur uns nicht braucht. Wir brauchen sie. Sie wird überleben ohne uns, wir aber nicht ohne sie!

Immer klarer reift der Gedanke in mir, dass wir nichts sind ohne die Natur und das wir es sind die sie so unendlich leiden lassen. Es tut weh.

Und nun frag ich mich, welchen liebevollen Gedanken soll ich haben um diese Melancholie zu übertünchen? Und will ich das überhaupt? Ist es nicht vielleicht die Wahrheit? Und was ist, wenn man vor ihr die Augen verschließt?

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